Text zum Titelbild des Praxisbuches Wo ist der Anfang? In welchen Weg treten wir ein? Was wollen wir erreichen? Was finden? Im Labyrinth ist eine Figur zu erkennen, die auf einem Bein stehend, tanzend und mit erhobenen Händen, das Innere des Labyrinths erfüllt. Der Weg beginnt unten, und mancher wird vielleicht mehrmals ansetzen müssen, bis er weiß, dass der Weg nicht in den hellen Zwischenräumen zu finden ist, sondern in der dunklen grünen Linie direkt beim Fuss. Auch im Glauben liegt manches direkt vor den Augen, aber man erkennt es nicht, solange man es falsch herum betrachtet. Der Weg bewegt sich zuerst nahe zur Mitte, umkreist sie mehrmals und läuft in großem Bogen die ganze Peripherie entlang, um dann in wenigen Zügen doch das Herz zu erreichen. Kaum sichtbar, orientiert sich das Labyrinth an der Kreuzform, so wie Christus von vielen unbemerkt jedes Leben durchträgt. Das Labyrinth symbolisiert den Lebensweg, verschlungen hin und herführend, mal nahe der Mitte, nahe am Herz, mal weit an den Rändern des Glaubens und der Zuversicht. Wer unbeirrt weitergeht, erreicht die Mitte, Heimat und Geborgenheit, Ort der Wandlung und der Herzens- umkehr. Gleichzeitig aber auch Ort der tiefsten Solidarität. Die tanzende Figur ist nicht nur der Mensch, der bei seinem eigenen Herzen ankommen will, es ist Christus selbst, der sich dem Menschen als Mensch offenbart, A und O, der Anfang und das Ende jeden Weges, der fröhliche Freund der Herzen, der die Hände zum Zeichen des Friedens erhebt, der solidarisch in Leid und Freude, in Nähe und Ferne, ein unablässig Wartender bleibt, in der Mitte unseres Labyrinths. Text: Gernot Candolini 2004